{"id":1003,"date":"2009-05-31T15:58:03","date_gmt":"2009-05-31T14:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/?p=1003"},"modified":"2009-06-30T14:39:22","modified_gmt":"2009-06-30T13:39:22","slug":"karin-frank-ausstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/?p=1003","title":{"rendered":"Karin Frank &#8211; Ausstellung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1018 alignnone\" title=\"karinfrankat-verstrickung-1\" src=\"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/karinfrankat-verstrickung-1-450x337.jpg\" alt=\"karinfrankat-verstrickung-1\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/karinfrankat-verstrickung-1-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/karinfrankat-verstrickung-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/karinfrankat-verstrickung-1.jpg 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p><strong>Skulpturen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vernissage: Freitag 5. Juni 2009, 19:00<\/strong><br \/>\nEr\u00f6ffnung: Dr. Elisabeht Priedl<br \/>\nAkademie der bildenen K\u00fcnste, Wien<\/p>\n<p><strong>Ausstellungsdauer: 6.-21. Juni 2009<\/strong><br \/>\nFreitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bekannt ist, dass Karin Frank mit Holz arbeitet. Bekannt ist auch, dass Thomas Bernhard ein Buch mit dem Titel \u00bbHolzf\u00e4llen\u00ab verfasst hat. Holz und Holzf\u00e4llen, eine N\u00e4he, die nicht geplant ist; eine N\u00e4he, die rein zuf\u00e4llig erscheint. Die Verfasstheit der \u00f6sterreichischen Gesellschaft, die sich mit diesem Buch wider willen identifizierte, kann man am besten als fassungslos bezeichnen. Nicht skandal\u00f6s sind die Themen, die Karin Frank bearbeitet: Es wird geschissen, Berge und Seen von Schei\u00dfe, es wird geliebt, gev\u00f6gelt, Paare treiben es treibend am See, es wird portr\u00e4tiert. Die Landschaften bleiben davon nicht unber\u00fchrt: Idyllisch ja, aber beackert, behauen und zu guter letzt bestreut; umgebogen zur B\u00fchne, auf der die Natur des Gesellschaftlichen wiederkehrt. Bernhard hat sich kein Blatt vor den Mund genommen. Die Sprache ist klar, unmissverst\u00e4ndlich, manche w\u00fcrden sogar sagen: derb. Holzf\u00e4llen ist f\u00fcr viele eine Abrechnung, f\u00fcr andere eine blo\u00dfe Feststellung, eine Darstellung der Verh\u00e4ltnisse. Eine Sachverhaltsdarstellung. Nicht weniger sachverhaltsm\u00e4\u00dfig erscheinen die Arbeiten von Karin Frank. Ihre Motive, Personen und Szenen nehmen sich die Freiheit, nicht frei erfunden zu sein. Die Realit\u00e4t von Schei\u00dfe und einer konsequenterweise beschissenen Realit\u00e4t, die Sprachlichkeit beim Ausdruck und beim Ausdr\u00fccken von Schei\u00dfe, diese wurstartige Verschwiegenheit als intime Artikulation, sind Sachverhalte.<br \/>\nAber \u00fcber diesen Sachverhalten schwebt eine andere Sprache, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Dinge wie sie sind, zu umschreiben, sie nur anzudeuten: um zu umgehen, worin man gerade steckt und steht. Mit etwas Flexibilit\u00e4t in der Sprache erscheint selbst ein ausgepr\u00e4gter Sinn f\u00fcr die M\u00e4nnlichkeit bei M\u00e4nnern nicht mehr als Machismo, sondern als der entschuldbare Lausbubenstreich eines in die Jahre gekommenen Jugendlichen. Diese Sprache der Umschreibung und Flexibilit\u00e4t ist ein Instrument f\u00fcr die Flexibilisierung von Sachverhalten. Flexibilisierung als Entschuldigung, Affirmation und Realit\u00e4tsverweigerung. Gegen diese Sprache arbeiten Bernhard wie Frank. Bernhard f\u00e4llt Holz mit einer Sprache, die darauf insistiert, nicht zu umschreiben. Frank arbeitet mit Holz so \u00f6konomisch und direkt wie m\u00f6glich. Manchmal reicht die grobe Form, um den Gegenstand oder die Szene zu fixieren. Ein andermal bedarf es des Details. Dass das Gesicht eines die Welt beschei\u00dfenden Mannes gerade jenem von George Bush sehr nahe kommt, ja als dieses identifiziert werden kann, ist das Produkt einer k\u00fcnstlerischen \u00d6konomie, die sich nur dann zum Detail bekennt, wenn es notwendig ist. Hier wird nicht herumgeredet. Hier wird Holz gef\u00e4llt und Holz bearbeitet. Der englische Ausdruck daf\u00fcr, etwas offen auszusprechen, ist \u00bbfrankly speaking\u00ab. Zugegeben: ein unerheblicher Zufall. Karin Frank speaks frankly.<br \/>\nMit ihrer Umschreibungsverweigerung, mit ihrer \u00d6konomie, aus dem flexibilisierbaren Sachverhalt wieder einen Gegenstand der Diskussion zu machen, ja auf die Gegenst\u00e4ndlichkeit der Diskussion zu insistieren, liefert Karin Frank ein Argument f\u00fcr die Bildhauerei, die mit ihrer Materialit\u00e4t einen Widerstand gegen die Aufl\u00f6sung von Fakten formuliert. Bildhauerei als Resistenz gegen die Verwandlung von Fakten ins Fabul\u00f6se. Fabul\u00f6s wirkt allein die Dringlichkeit der Sprache, ihr Insistieren aufs Faktische. H\u00e4mmert sich Bernhard repetitiv durchs Wortgeh\u00f6lz und l\u00e4sst damit als Obsession erscheinen, was nur ein Dr\u00e4ngen aufs Notwendige meint, so greift Frank selbst in der schnellen Skizze, im Modellieren, im Notieren von K\u00f6rperlichkeit zu einem Material, das ihr erlaubt, die Ideen im Backrohr zu fixieren: zu brennen, was ihr unter den Fingern brennt. In einer Sprache, die einfach geformt werden kann, und in einem Medium, das ihr erlaubt, sich relativ unabh\u00e4ngig von technischen oder wirtschaftlichen Bedingungen zu artikulieren. Sowenig Karin Frank und Thomas Bernhard etwas miteinander zu tun haben, so sehr ist manchmal der Vergleich die direkteste Form etwas zu sagen, was sonst nur umschrieben werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>Andreas Spiegl <\/em><em><span style=\"font-family: Arial;\"><br \/>\n<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skulpturen Vernissage: Freitag 5. Juni 2009, 19:00 Er\u00f6ffnung: Dr. Elisabeht Priedl Akademie der bildenen K\u00fcnste, Wien Ausstellungsdauer: 6.-21. 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