{"id":4048,"date":"2011-08-03T21:50:02","date_gmt":"2011-08-03T20:50:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/?p=4048"},"modified":"2012-09-18T18:42:45","modified_gmt":"2012-09-18T17:42:45","slug":"wir-kwt-eroffnungsrede-von-rainer-friedl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/?p=4048","title":{"rendered":"WIR-KWT-ER\u00d6FFNUNGSREDE von RAINER FRIEDL"},"content":{"rendered":"<p>zum Nachlesen&#8230;<\/p>\n<p>Ein Wunder, ein M\u00e4rchen und eine Vision.<!--more--><\/p>\n<p>Das Wunder, das ist die Kunstwerkstatt selbst. Weil sie es geschafft hat, zu \u00fcberleben, weil sie so lange ausgehalten hat \u2013 es sind mittlerweile 24 Jahre \u2013 und weil sie noch immer lebt. Bestes Beispiel daf\u00fcr ist die Ausstellung \u201eWIR-KWT\u201c, die von aktiven MitarbeiterInnen der Kunstwerkstatt gestaltet wurde. Sie alle sind selbst Kunstschaffende und Ihnen geb\u00fchrt ein kr\u00e4ftiges Danke und eine Gratulation \u2013 stellvertretend f\u00fcr alle, die in der KWT in diesen vielen Jahren gearbeitet haben.<\/p>\n<p>Doch jetzt zum M\u00e4rchen:<br \/>\nEs war einmal&#8230;. so beginnen viele M\u00e4rchen, wie wir gelernt haben&#8230;. es war einmal eine gesch\u00e4ftige Stadt an einem gro\u00dfen Fluss, umgeben von Auen und W\u00e4ldern. Mit ein paar wenigen alten Bauwerken, die gehegt und gepflegt wurden. Schlie\u00dflich tat man ja etwas f\u00fcr die Kultur.<\/p>\n<p>In gelehrten B\u00fcchern  wurde die Stadt immer mit einem weithin bekannten Namen in Verbindung gebracht. Die Stadt erwies sich ihres Erbes auch w\u00fcrdig und widmete  dem gro\u00dfen Namen ein eigenes Museum. Schlie\u00dflich tat man ja etwas f\u00fcr die Kultur.<\/p>\n<p>Die Stadtv\u00e4ter steckten viel Geld in die Beh\u00fcbschung der Stadt und schlie\u00dflich bewarb man sich sogar darum, Hauptstadt zu werden. Was bekannterma\u00dfen scheiterte. Aber vielleicht zum Ausgleich daf\u00fcr wurde die Stadt dann zum Veranstaltungsort einer gro\u00dfen Gartenschau erw\u00e4hlt. Die G\u00e4rtner waren sehr erfreut, die Wirtsleute z\u00e4hlten viele neue G\u00e4ste und alle waren gl\u00fccklich und zufrieden  und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute&#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie die Stadt erkannt.<\/p>\n<p>Aber vielleicht t\u00e4uscht der erste Eindruck auch.<\/p>\n<p>Denn die Stadt, die ich meine, liegt in Deutschland und hei\u00dft Kassel. Der gro\u00dfe Fluss ist die Fulda, der gro\u00dfe Name die Br\u00fcder Grimm, die einige Jahre in Kassel arbeiteten  \u2013 deswegen auch die M\u00e4rchenassoziation.<\/p>\n<p>Das M\u00e4rchen von Kassel ist da aber nicht zu Ende, sondern beginnt erst mit der Bundesgartenschau in den 50er Jahren. Als eine Art Rahmenprogramm setze damals ein Kunstprofessor und Designer die Idee einer Kunstausstellung durch. Das war die erste documenta mit rund 130.000 Besuchern. Mittlerweile ist die documenta zur weltweit wichtigsten Ausstellung zeitgen\u00f6ssischer Kunst geworden und hat auch das Bild von Kassel gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hle ich das?  Vielleicht wegen m\u00f6glicher Parallelen zwischen Kassel und Tulln? Sicher unter dem Eindruck der j\u00fcngsten documenta, die wir gerade besucht haben. Und vor allem darum, weil sich Tulln von Kassel m\u00f6glicherweise einiges abschauen k\u00f6nnte. Denn die spannendsten Beitr\u00e4ge der documenta, die waren auch heuer nicht in den gro\u00dfen Museumsgeb\u00e4uden und  Ausstellungshallen zu finden, sondern in der Stadt. In leerstehenden H\u00e4usern, ehemaligen Gesch\u00e4ftslokalen und Fabriksgeb\u00e4uden.<\/p>\n<p>Und jetzt bin ich bei der versprochenen Vision, Einer Vision f\u00fcr Tulln, der ich mich mit ein paar Fragen ann\u00e4hern m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re wenn die Stadt Tulln sich ihrer Kunstschaffenden besinnt, solange sie noch leben&#8230;.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn einander Politiker und Kulturschaffende auf Augenh\u00f6he begegnen, um einmal gemeinsam \u00fcber die Zukunft unserer Stadt nachzudenken? Und damit auch \u00fcber deren Aussehen und ihre Gestaltung?<\/p>\n<p>Was w\u00e4re wenn sich Tulln zum Ziel macht, ein Zentrum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst in Nieder\u00f6sterreich zu werden\u2026<\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn aus leerstehenden Gesch\u00e4ftslokalen Ateliers oder Galerien w\u00fcrden &#8230;. wenn sich herumspricht, dass Tulln eine Stadt ist, in der man nicht blo\u00df gut einkaufen, flanieren und essen kann, sondern auch zeitgen\u00f6ssische Kunst erleben kann&#8230;.. wenn die lokale Wirtschaft dann erkennt, dass sich Frequenz auch in Umsatz niederschl\u00e4gt&#8230;<\/p>\n<p>Was w\u00e4re wenn die Stadt einmal im Jahr eine Reihe von K\u00fcnstlern &#8211; etwa Bildhauer &#8211; einl\u00e4dt, hier einen Monat zu arbeiten und damit ihre Spuren im Stadtbild zu hinterlassen\u2026 was g\u00e4be das nicht f\u00fcr herrliche Diskussionen in der Stadt und dar\u00fcber hinaus\u2026<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00f6re ich jetzt schon die Stimmen der Berufs-Skeptiker, die sagen: \u201eDas wird nie was\u201c. Die Stimmen mancher Politiker, die sagen, das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten. Die Stimmen anderer Politiker, die sagen: Mit K\u00fcnstlern diskutieren? Das tun wir uns nicht an. Und vielleicht auch die Stimmen mancher K\u00fcnstler, die sagen, sie lassen sich nicht instrumentalisieren.<\/p>\n<p>Trotzdem glaube ich, dass Tulln beste Voraussetzungen daf\u00fcr hat, sich zu einem hot spot der zeitgen\u00f6ssischen Kunst zu entwickeln. Nicht durch den Bau neuer Museen, sondern durch die Nutzung dessen, was schon da ist.<\/p>\n<p>Wir haben die Kunstwerkstatt, das Minoritenkloster, das Schiele-Museum, jede Menge \u00f6ffentlich nutzbarer Freifl\u00e4chen \u2013 da ist schon einiges an Infrastruktur da. Wir haben leerstehende Gesch\u00e4fte und auch die eine oder andere Halle, die nicht genutzt wird.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch gut an die Diskussionen erinnern, als Herrmann Nitsch hier ausgestellt hat..  da sind die Wellen der Emp\u00f6rung hoch gegangen, wie man denn \u201eso etwas\u201c in Tulln ausstellen k\u00f6nne&#8230; es sind sogar Mitglieder der Kunstwerkstatt aus Protest ausgetreten aus diesem Verein\u2026  jetzt, ein paar Jahre sp\u00e4ter hat ihm das Land ein eigenes Museum erm\u00f6glicht\u2026 die nieder\u00f6sterreichische Kulturpolitik hat mittlerweile erkannt, dass es sich lohnt, sich mit zeitgen\u00f6ssischer Kunst auseinanderzusetzen\u2026 und die Tullner B\u00fcrgermeister haben doch traditionell ein sehr gutes Verh\u00e4ltnis zum Land und zum Landeshauptmann&#8230; vielleicht geht der jetzige Tullner B\u00fcrgermeister ja als jener in die Geschichte ein, der die Stadt in Richtung zeitgen\u00f6ssischer Kunst ge\u00f6ffnet und gepr\u00e4gt hat&#8230;<\/p>\n<p>Im Moment l\u00e4uft ja gerade eine Diskussion dar\u00fcber,  wie die Stadt mehr daraus machen kann, dass Egon Schiele hier geboren ist. Die Schiele-Torte haben wir schon, das Schiele-H\u00e4ferl wird genauso folgen wie der Schl\u00fcsselanh\u00e4nger&#8230; wer wei\u00df, vielleicht sogar das Schiele-Handtuch mit jenen unz\u00fcchtiger Zeichnungen, wegen derer er damals im H\u00e4fen gesessen ist. Soll sein,.<\/p>\n<p>Aber wer sagt, dass im Tullner Souvenirshop nicht auch Arbeiten lokaler Kulturschaffender angeboten werden k\u00f6nnten? Warum gehen wir davon aus, dass Touristen nur an Kitsch interessiert sind?  Was w\u00e4re, wenn das nicht so ist? Warum nicht einfach versuchen?<\/p>\n<p>Tulln hat das gleiche Problem wie andere St\u00e4dte dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung. Unsere St\u00e4dte werden einander immer \u00e4hnlicher, \u00fcberall die gleichen Gesch\u00e4fte der gleichen Ketten und Konzerne, kaum etwas Individualit\u00e4t. Die versuchen Gemeindepolitiker  allerorts dann mit aufw\u00e4ndigen Stadtmarketingkonzepten zu finden, da werden dann sogenannte Alleinstellungsmerkmale gesucht, mit denen wir uns von anderen unterscheiden. Was w\u00e4re, wenn die Stadt  Tulln dabei auf zeitgen\u00f6ssische Kunst setzt? Und dabei jene Kulturschaffenden einbezieht, die in dieser Stadt leben? Das w\u00e4r doch eine sch\u00f6ne Vision, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zum Nachlesen&#8230; Ein Wunder, ein M\u00e4rchen und eine Vision.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3,20],"tags":[],"class_list":["post-4048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ausstellung","category-diskussion"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4048"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4050,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4048\/revisions\/4050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstwerkstatt.at\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}