fr 30. nov 20h00 |”François Villon – Des ganzen Lebens schwarze Litanei, vom Mutterleibe bis zum Todesschrei”

Villon-Lesung-HPEintrittspreise (ab 16 Jahre): KWT-Mitglieder: 12€
Karten: Vorverkauf: 15€, Abendkassa: 17€
Lesung aus den Nachdichtungen des großen Dichters des 15. Jahrhunderts, musikalische Umrahmung mit alten Liedern und Instrumentalstücken.

Walter Orleth Lesung, Perkussion
Ewald Kogler Drehleier, Gitarre, Stimme
Für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.

François Villon wurde 1431 in Paris geboren, als Sohn eines mittellosen, frühverstorbenen
Vaters und einer ärmlichen Mutter. Von dem vermögenden Kaplan Guillaume de Villon, der
aus dem Dorf Villon in der Bourgogne stammte, verdankte François seine Bildung. Er
absolvierte die propädeutischen Studien an der Artistenfakultät und schloss sie mit dem
Magistergrad ab. Später, nach seinem weiterem Theologie- oder Medizinstudium, das er
nicht mehr erfolgreich beendete, schloss er sich zumindest gelegentlich kriminellen Gruppen
an, wahrscheinlich sogar der gefürchteten Mafia der „Muschelbrüder“ (Coquillards), die in
der Bourgogne, Champagne und Île de France operierte. Villon hatte das Studieren satt und
trieb sich immer mehr in Kneipen und bei Dirnen herum.
Sein Gaunerleben brachte ihn sogar wegen Diebstahls und Raufereien mehrfach ins
Gefängnis. 1463 entging er nur durch Begnadigung dem Galgen. Er wurde aus Paris
ausgewiesen, trieb sich in den Provinzen umher und dichtete für Fürsten und Grafen, aber
auch für Räuber und Huren seine unvergänglichen Lieder und Balladen.
Villons Spur verliert sich in den letzten Lebensjahren. Wahrscheinlich ist er 1463 gestorben.
Villons Hauptwerk wurde vom Umfang her, aber auch dank der Vielfalt und Vielschichtigkeit der
behandelten Themen, das “Testament”, in das er zahlreiche Balladen einfügte. H. C. Artmann lässt
es in seiner Nachdichtung mit den Worten beginnen:
Dreisk joa bin i oed,
und scho gibt’s in da wöd
ned a’r anzex losta
fon den was e ned
bis zum auschbeibm foi waa.

Dreißig Jahre bin ich alt,
Und schon gibt es in der Welt
Nicht ein einziges Laster,
Von dem ich nicht
Bis zum Erbrechen voll wäre.

Die Lesung soll nun, anhand Villons Nachdichtungen von Paul Zech und H. C. Artmann, dem
Zuhörer ein wenig das Zeitbild Frankreichs des 15. Jahrhunderts näherbringen.
Umrahmt wird die Lesung mit alten Liedern und Instrumentalstücken aus dem 13. bis 18.
Jahrhundert. Trommeln, eine Gitarre und eine Drehleier werden dazu verwendet.
Für die Drehleier, französisch Vielle à Roue (wörtlich Rad-Fidel), gibt es noch heute in Frankreich
eine starke Tradition. Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von höfischen Instrumentenbauern
gebaut. Die ersten schriftlichen Hinweise auf Drehleiern in Ungarn finden sich im 16. Jahrhundert,
die ältesten ungarischen Abbildungen des Instrumentes stammen aus der Zeit der Kuruzenkriege
Ende des 17. Jahrhunderts. Die älteste nachgewiesene Form der Drehleier stammt aus dem 12.
Jahrhundert.
Aufgrund der teilweise derben Ausdrucksweise ist die Veranstaltung für Jugendliche unter 16
Jahren nicht geeignet.

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